Hagen.  Diejenigen, die es in der Schule mitunter besonders schwer haben, hat die Pandemie besonders getroffen. Ein Verband in Hagen sucht Lernpaten.

Waleed Bazir (19) lebt seit fünf Jahren in Hagen und hat schon eine Menge erreicht. Der aus Afghanistan stammende junge Mann, der 2016 als Flüchtling nach Deutschland kam, hat zuerst den Haupt- und dann den Realschulabschluss gemacht. Derzeit büffelt er an der Berufsschule in Hohenlimburg für das Fachabitur. Doch der mit der Corona-Krise einhergehende Distanzunterricht macht ihm zu schaffen: „Ich habe niemanden, der an meiner Seite ist und den ich fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe.“

Waleed ist sicherlich nicht der einzige Schüler, dem das Homeschooling große Schwierigkeiten bereitet. „Vor allem Schüler ohne verlässliche Ansprechpartner benötigen in dieser Zeitung besondere Begleitung“, sagt Lisa Metzak, Fachberaterin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Der Frauenwohlfahrtsverband sucht in Hagen deshalb ehrenamtliche Paten, die die jungen Menschen während des Distanzunterrichts und bei den Hausaufgaben unterstützen.

Bildungschancen verbessern

Das zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegte Projekt trägt den Titel „Ü18 und nicht allein“ und soll die Bildungschancen sozial benachteiligter Schüler verbessern. Denn gerade diejenigen, die es in der Schule mitunter ohnehin besonders schwer haben, hat die Corona-Pandemie besonders getroffen. Sie erhalten in der Schule ja nicht nur formale Bildung, sondern auch Struktur und emotionale Unterstützung. Doch den so wichtigen engen Kontakt können die Pädagogen in dieser Zeit nicht halten. „Deshalb suchen wir tatkräftige Ehrenamtliche, die für eine bestimmte Zeit als Unterstützer tätig werden möchten“, sagt Lisa Metzak.

Waleed Bazir hat diese Hilfe sicherlich verdient. An Ehrgeiz mangelt es dem jungen Mann, der im Agnesheim Funckenhausen in Vorhalle wohnt, nicht, auch die deutsche Sprache beherrscht er gut. Doch dadurch, dass er jetzt nicht mehr zur Schule gehen kann, steigt das Risiko, dass er nicht mehr hinreichend gefördert wird.

„Hier könnten die Lernpaten eine echte Hilfe sein“, sagt Lisa Metzak: „Großes Fachwissen benötigen sie dazu nicht. Es geht vielmehr darum, Waleed oder auch anderen jungen Menschen zur Seite zu stehen und gemeinsam Lösungsansätze zur Bewältigung von Aufgaben zu finden. Meist helfen bereits ein offenes Ohr und die persönliche Lebenserfahrung der Lernpaten weiter.“

Soziale und psychische Folgen

Im Agnesheim wird Waleed von Pädagogin Silke Göcking betreut. Sie muss sich aber auch um weitere Kinder und Jugendliche kümmern und weiß um die sozialen und psychischen Folgen des Distanzunterrichts für die Betroffenen: „Den Jugendlichen fehlt der Austausch, sie fühlen sich so allein. Mit der Sprache können wir ihnen helfen, aber Gruppendynamik und Freundschaften können wir nicht ersetzen.“ Lern­pa­ten wer­den pro­fes­sio­nell be­glei­tet

In­ter­es­sier­te Lern­pa­ten wer­den bei ihrer eh­ren­amt­li­chen Tä­tig­keit pro­fes­sio­nell be­glei­tet und haben die Mög­lich­keit, sich mit an­de­ren Frei­wil­li­gen aus­zu­tau­schen.

Sie ent­schei­den selbst, in wel­chem Um­fang sie ihr En­ga­ge­ment ge­stal­ten möch­ten.

Nä­he­re Aus­künf­te bei Lisa Metz­ak, Tel. 0178-8879582 oder ue­ber18@​skf-​dortmund.​de.

Lernpaten können zumindest dabei helfen, dass Kinder und Jugendliche in der Schule nicht weiter abgehängt werden. Wer zu einem solchen Engagement bereit ist, entscheidet selbst, in welchem Umfang er tätig werden möchte. Für ein ausreichendes Corona-Hygienekonzept ist natürlich gesorgt.

Der Sozialdienst katholischer Frauen sucht Lernpaten fürs Homeschooling in der Corona-Zeit (von links): Projektorganisatorin Lisa Metzak, Pädagogin Silke Göcking und Waleed Bazir.