Delegiertenversammlung von SkF und SKM befasst sich mit der Rhetorik einer radikalen Minderheit

Paderborn, 19.10.2021 (cpd) – Mit Christen, die rechtsradikale Positionen übernommen haben, hat sich die Delegiertenversammlung der 32 Sozialdienste katholischer Frauen (SkF) und Männer (SKM) im Erzbistum Paderborn im Rahmen einer Tagung im Paderborner Liborianum auseinandergesetzt. Im Unterschied zu konservativen Christen verstünden Rechtsextreme Begriffe wie Heimat, Familie, Tradition und Nation ausgrenzend, erklärte Gastreferentin Liane Bednarz aus Hamburg. Die Juristin und Autorin, die sich selbst als konservativ und als gläubige Christin bezeichnet, kritisierte, dass Teile der neuen Rechten sich in ihrer Argumentation auf das Christentum berufen, um eine „ausgrenzende religiös-nationalistische Identität“ zu schaffen.

Seltsam im Widerspruch zum Anspruch des Christseins stehe die gängige Verächtlichmachung von Gegnern und die Selbstinszenierung als „Opfer einer Quasi-Diktatur“. Als Schnittstellenthemen der neuen Rechten und ihnen zugeneigten Christen nennt Bednarz die Haltung zur Abtreibung, Warnungen vor einem sogenannten „Genderwahn“ sowie die Angst vor „Islamisierung“. Zwar könne man als Christ oder Konservativer durchaus kritisch zu Abtreibungen, zum Islam oder zu einer überzogenen Interpretation des sogenannten Gender Mainstreaming stehen. Wenn das jedoch in eine „Verfallsrhetorik“ münde, die das Ende des christlichen Abendlandes beschwöre, spiele das den Rechtsextremen in die Hände.

Neue Aktualität habe das Thema „rechte Christen“ durch die Corona-Maßnahmen erhalten, sagte Liane Bednarz, die ein Buch zum Thema 2018 herausgegeben hatte. Christen des rechten Milieus hätten auf bedenkliche Weise auch gegen die Corona-Schutzmaßnahmen mobilgemacht und die Bedrohung durch das Virus verharmlost.

Im Rahmen der Delegiertenversammlung von SkF und SKM übergab Franz Daniel den Vorsitz des SKM-Diözesanvorstandes an Dr. Bernd Lewen, Vorstand des SKM Lippstadt. Franz Daniel, der auch Vorsitzender des SKFM Menden ist, habe sich „mit hohem Engagement und verlässlicher Kooperationsbereitschaft“ für die Ortsvereine des SKM im Erzbistum Paderborn eingesetzt, sagte Reinhild Steffens-Schulte, Diözesan-Geschäftsführerin von SkF und SKM. Seit 17 Jahren gehört er zum SKM-Diözesanvorstand, elf Jahre lang führte er den Vorsitz. Als Dank gab es Blumen, ein Bild und viel Applaus. Dem Diözesanvorstand bleibt Franz Daniel weiterhin als Mitglied erhalten.

Bernd Lewen, Mitglied im Vorstand des SKM Lippstadt, ist seit 2019 auch Mitglied im Diözesanvorstand und seit 2020 Mitglied im Bundesvorstand des SKM.

Info

Die Delegiertenversammlung der Sozialdienste katholischer Frauen (SkF) und Männer (SKM) im Erzbistum Paderborn vertritt 20 SkF und 9 SKM in Arnsberg, Bielefeld, Brilon, Detmold, Dortmund, Dortmund-Hörde, Gütersloh, Hagen, Hamm, Herford, Herne, Lippstadt, Menden, Minden, Olpe, Paderborn, Schwerte, Siegen, Soest/Warstein/ Werl, Unna, Wanne-Eickel und Warburg.

Liane Bednarz referierte bei der diözesanen Delegiertenversammlung von SkF und SKM in Paderborn zum Thema „rechte Christen“. (Foto: cpd / Jonas)
Mit dem Thema „rechte Christen“ befassten sich SkF und SKM im Erzbistum Paderborn (von links): Diözesan-Geschäftsführerin Reinhild Steffens-Schulte, der scheidende SKM-Vorsitzende Franz Daniel, die SkF-Vorsitzende Birgit Poggenpohl, Marie-Luise Tigges (SkF-SKM-Referentin) und Gastreferentin Liane Bednarz. (Foto: cpd / Jonas)