OLPE Daniel Schulte ist geschlechtsspezifischer Berater – bei Lebenskrisen, für Opfer und auch Täter

„Jede Krise ist auch eine Chance“ – der 42-jährige Sozialarbeiter hilft dabei, sie zu ergreifen.

yve  „Mir ist die Hand ausgerutscht, ich habe einfach überreagiert, das kommt nicht mehr vor.“ Wer diesen Satz zur Kenntnis nimmt, denkt sofort an Qualen misshandelter Frauen. Dass aber auch Frauen ihre Partner schlagen, ist zwar bekannt, jedoch nur schwer vorstellbar. Laut Statistiken erleiden in Deutschland jedoch mindestens eine Million Männer häusliche Gewalt – auch im Kreis Olpe. Daniel Schulte begleitet Betroffene, berät sie und sucht mit den Opfern nach Wegen hin zu einem „normalen“ Leben.

Oft seien Männer auch ständigen Demütigungen ausgesetzt, immer dann, wenn die Partnerin mit Worten schlage. Ein Thema, das viel zu unbeachtet und tabuisiert sei. Schulte ist Dipl.-Sozialarbeiter, Jungen- und Männerberater sowie Systemischer Berater. Er leitet das Programm „Echte Männer reden“, ein Angebot des Katholischen Sozialdienstes und eine Kampagne des SKM (Sozialdienst katholischer Männer – Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland).

In das Gesprächszimmer zu Daniel Schulte an der Mühlenstraße 5 in Olpe kommen aber auch Jungen und Männer, die von Krankheit betroffen sind oder sich unlösbaren Konflikten im Beruf ausgesetzt sehen. „Lebenskrisen sind vielschichtig“, so der Berater. Die „Midlife Crisis“ zähle dazu, „wenn höher, schneller, weiter nicht mehr möglich ist“. Risikoreich sei auch der Übergang vom Beruf in den Ruhestand – „ist die Rente Krise oder Krönung?“ Damit müssten sich die Menschen befassen, frühzeitig, nicht erst, wenn sich das Loch aufgetan habe.Auf das Vaterwerden wird man ja nicht vorbereitet.

Mit einem Absturz ins seelische Tief sehen sich auch junge Väter konfrontiert, die zu dem 42-Jährigen in die Beratung kommen. „Auf das Vaterwerden wird man ja nicht vorbereitet.“ Und ein Austausch wie in den überwiegend von Frauen besuchten Krabbelgruppen finde unter Vätern eher selten statt. „Mit der Geburt eines Kindes ändert sich vieles.“ Oft überwiege Stress statt Harmonie. Elternzeit, die sich vermehrt auch Männer nehmen, berge Konfliktpotenzial: die Zeit in Anspruch nehmen, gleichzeitig aber genügend Geld für die Familie zur Verfügung haben. Teils sei das alte Rollenbild – die Frau zuhause, der Mann im Beruf – im Bewusstsein verankert.

Andere Väter leideten darunter, nach einer Trennung von der Familie ihre Kinder zu selten zu sehen. „Sie wollen das Vatersein ausleben, können es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht.“ Viele Männer wüssten um diesen Zustand, nähmen ihn aber leidend hin. Dabei sei es völlig normal, dass auch Männer und Jungen Probleme haben. Ebenso, wie sich in der geschlechtsspezifischen Beratung helfen zu lassen. Daniel Schulte unterstützt nicht nur Personen aus dem Kreis Olpe, sondern auch aus den Nachkarkreisen, wie aus Siegen-Wittgenstein.

Der Bedarf ist da, aber laut dem 42-Jährigen während der Corona-Pandemie nicht übermäßig gestiegen. Krise bedeute ja immer auch eine Chance. Aus Gesprächen weiß er, dass Kurzarbeit nicht immer Unheil bedeute, sondern manchmal auch eine Auszeit – raus aus der Stress-Falle. „Dann überlege ich mir, ob ich wirklich wieder hinein möchte.“ Gelingt der Absprung nicht alleine, wäre auch hier Daniel Schulte der richtige Ansprechpartner. Es gibt lediglich eine Voraussetzung: Manns genug sein für eine Beratung!

Der 42-Jährige unterstützt ebenso Jungen und Männer, die gewalttätig geworden sind oder Angst haben, gewalttätig zu werden. „Männer, die Gewalt ausüben, sind in einer Krise.“ Auch die Vulkan-Typen, „die schnell hochgehen, ganz plötzlich ausbrechen“ und dadurch ihre Familie terrorisierten. Dieses Verhalten führe zu Trennungen, zerstöre Vertrauen und Nähe. Seine Klienten könnten oft gar keine Gründe für ihr Ausrasten benennen. Viele stauten ihre Frustrationen an – „bis es dann knallt.“ Nicht sofort nach Hause fahren, wenn es zum Beispiel Stress auf der Arbeit gegeben habe, könne hier ein Notfallplan sein. Erst zum Sport oder zehn Minuten an die frische Luft gehen. Männer warteten oft zu lange, bis sie sich Hilfe holten oder scheuten sich gar, sich überhaupt welche zu holen. Beratungsstellen für Frauen gebe es in der Region vielfältig, doch kaum spezialisierte Hilfsangebote für Männer, deren Krisen oftmals als individuelles Versagen und nicht als gesellschaftliches Problem bewertet würden – auch von den Männern selbst. Hinzu geselle sich oft die Angst vor Spott und Ungläubigkeit. Und schließlich lernten Männer schon in der Kindheit, stark zu sein und Probleme selbst zu lösen. Das Programm „Echte Männer reden“, das durch Projektmittel der Erzdiözese Paderborn gefördert wird, ist laut Daniel Schulte vielen noch nicht bekannt. Daher sei gute Netzwerkarbeit erforderlich. Der Dipl.-Sozialarbeiter pflegt daher den Austausch mit der Polizei, der Frauenberatungsstelle oder psychiatrischen Einrichtungen „Aber die Männer müssen sich selber bei mir melden.“ Das sei der erste Schritt in Richtung Krisenbewältigung. Das Ziel der Beratung von gewalttätigen Personen sei deren volle Verantwortungsübernahme für die begangene Tat – für die eigenen Handlungen. Nur so lernten Männer, für wie viel Leid, Angst und Verletzungen sie und nur sie verantwortlich seien – „nicht mehr die Schuld bei anderen suchen“.

Daniel Schulte hat sich auf die Lebensberatung von Jungen und Männern spezialisiert.  Foto: yve Angst, Verzweiflung und Wut – viele Jungen und Männer scheuen sich, ihre inneren Konflikte nach außen zu tragen. Hilfe finden Betroffene beim Katholischen Sozialdienst in Olpe, der das Programm „Echte Männer reden“ anbietet. Foto: Pixabay

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Daniel Schulte hat sich auf die Lebensberatung von Jungen und Männern spezialisiert.  Foto: yve Angst, Verzweiflung und Wut – viele Jungen und Männer scheuen sich, ihre inneren Konflikte nach außen zu tragen. Hilfe finden Betroffene beim Katholischen Sozialdienst in Olpe, der das Programm „Echte Männer reden“ anbietet.